Prompten 2026: Das Handwerk ist umgezogen

von Nicole Angela Buck

Warum die wichtigste Frage heute nach dem Prompt kommt

Seit dem 8. August 2024 bezahle ich Claude. Damals waren es 21,42 Euro für einen Monat zum Test – mehr war das nicht. Gekündigt hab ich nie. Beim Suchen nach dieser Rechnung bin ich über meine eigenen alten Prompts gestolpert. Und das war deutlich unangenehmer als gedacht.

Was ich damals gemacht hab, warum das ausgereicht hat, was davon heute noch stimmt – und wo sich das Handwerk inzwischen hin verschoben hat: darum geht es hier.

Was ich 2023 gemacht hab – und warum das damals gereicht hat

Mit KI angefangen hab ich Anfang 2023. In einem meiner ersten Blogartikel steht ein Satz über mich, den ich heute so nicht mehr schreiben würde, und den ich trotzdem stehen lasse: Meine Herangehensweise war eher nach dem Motto „Augen zu und durch". Ich hab drauflos geprompted, ohne wirklich zu verstehen, was ich da eigentlich tue.

Gegen Ende 2023 war man ja schon zufrieden, wenn die KI ein Bild überhaupt erkannt hat. Foto hochgeladen, sie sagt einem, was drauf ist, und weil das so beeindruckend war, hat man gleich noch einen Post daraus machen lassen. Ohne weiteren Kontext. Ohne Tonalität, ohne Beispiele, ohne irgendwas von einem selber. Und das Ergebnis war okay. Man kannte es ja nicht besser.

Dann hab ich angefangen, das ernsthaft zu lernen. Erst die Ausbildung zur zertifizierten KI-Trainerin, Anfang 2024 abgeschlossen. Danach die KI Masterclass im Koerting Institute. Ende 2025 die Managerin für angewandte KI-Transformation. Irgendwann in dieser Zeit hab ich zum ersten Mal verstanden, dass Prompten eine eigene Sprache ist. Eine, die man lernt wie ein Instrument.

Was ich damals lernte, war eine harte Schule. Ein schlechter Prompt hat einen sofort bestraft – es kam schlicht Müll raus, und man musste selber drauf kommen, woran es lag. Genau diese Schule kriegt heute niemand mehr geschenkt.

Was inzwischen weggefallen ist

Wenn ich meine alten Prompts angucke, merke ich vor allem, wie viel sich bewegt hat. Das Handwerk war richtig, und es war wichtig – aber es entwickelt sich mit jedem neuen Modell weiter, und ein Teil von dem, was 2023 noch geholfen hat, hilft heute nicht mehr.

Zum Beispiel die Aufforderung, die KI solle ihren Gedankengang erst aufschreiben, bevor sie antwortet. Das war mal der Zaubersatz. Bei den heutigen Reasoning-Modellen, die intern ohnehin durchdenken, bevor sie anfangen zu schreiben, bringt das nichts mehr und kann sogar stören. Bei den schnellen Modellen ohne eigenen Denkschritt hilft es dagegen nach wie vor.

Genauso die Beschwörungsformeln. „Du bist der weltbeste Experte für Marketing." Oder die Tricks, über die damals ernsthaft diskutiert wurde: der KI ein Trinkgeld versprechen, ihr sagen, der Job hänge davon ab, künstliche Dringlichkeit aufbauen. Ich wollte Claude und Co. sogar mit Schokolade bestechen – und ja, das meine ich genau so, wie es dasteht. Das bewegt heute alles nichts mehr, ein belastbarer Effekt lässt sich schlicht nicht mehr messen. Die Tricks sind bekannt.

Und dann war da noch die Kurzfassungs-Regel: Prompts kurz halten, weil das Kontextfenster klein war. Diese Sorge ist weitgehend weg, inzwischen sind wir bei bis zu einer Million Token. Aber auch da wird es irgendwann schwierig: Wer das Fenster wirklich vollpackt, muss damit rechnen, dass mittendrin etwas untergeht. Gerade bei Claude Code kann das schnell gehen – ein paar Dateien, ein längerer Arbeitsdurchlauf, und schon ist das Fenster voll.

Ich hab mal geguckt, was aktuell in den vorderen Suchergebnissen steht, wenn man „richtig prompten" eingibt. Da sind ordentlich gemachte Seiten dabei – von Digitalzentren, Agenturen, Fachredaktionen. Und in denen steht bis heute die Empfehlung, einen Prompt mit der Benennung eines bekannten Experten zu beginnen. Beispiel: „Agiere als der beste Social-Media-Manager der Welt." Das ist der Stand von 2023, und er wird jeden Tag von Menschen gelesen, die gerade anfangen.

Ein kleiner, aber wichtiger Unterschied: Die Rolle an sich ist nicht das Problem. Der KI zu sagen, aus welcher Perspektive sie schreiben soll, wirkt weiterhin – gerade beim Ton. Weggefallen ist nur die Aufblähung, dieses „weltbeste". Die Rolle bleibt, die Beschwörung geht.

Was geblieben ist – unverändert

Mein Handwerkszeug von damals ist trotzdem noch da. Es sind vier Fragen, die ich seit Jahren stelle, egal an welchem Text ich sitze:

Das ist kein Framework, das ich mir ausgedacht hab. Das ist im Prinzip ein Briefing, so wie ich es seit 1998 an Texterinnen, Fotografen und Druckereien gebe. Wer schon mal einem Menschen einen Auftrag erklärt hat, kann das auch einer KI erklären.

Und klar formulieren bleibt wichtig. Wer einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter eine Aufgabe gibt, muss auch heute konkret sagen, was dabei rauskommen soll und woran man ein gutes Ergebnis erkennt. Das war 2023 so und ist 2026 so.

Nur ist der Schwerpunkt umgezogen. Früher steckte der größte Teil der Arbeit im Formulieren, in der einen guten Frage. Heute steckt er im Vorbereiten davor und im Prüfen danach. Ein Prompt sieht immer weniger aus wie eine Bestellung und immer mehr wie ein Briefing.

Der Punkt, an dem sich alles entscheidet: Kontext

Von den vier Fragen ist eine die wichtigste – und es ist ausgerechnet die, die am häufigsten übersprungen wird.

Die KI hat Allgemeinwissen. Sie weiß, wie ein Newsletter aufgebaut ist, was eine gute Betreffzeile ausmacht, wie man ein Angebot strukturiert. Du musst ihr nicht erklären, wie die AIDA-Formel funktioniert oder wie ein Angebot nach Hormozi aufgebaut ist. Das kann sie besser als die meisten.

Was sie nicht hat, sind Deine Fälle. Deine Kundin, die letztes Jahr abgesprungen ist – und warum. Der Einwand, der in Deinen Erstgesprächen immer an derselben Stelle kommt. Die Formulierung, bei der Deine Leute nicken, und die andere, bei der sie zumachen. Deine Einordnung. Deine Sichtweise.

Wenn Du das nicht mitgibst, füllt die KI die Lücke mit Durchschnitt. Und Durchschnitt liest sich wie das, was gerade alle produzieren.

In meinen Agenturprojekten liegen deshalb ganze Ordner an Material: Markenstimme, alte Briefings, abgenommene Texte, Persona, Keywords. Klingt nach Aufwand, ist aber einmalig. Und der Unterschied im Ergebnis ist nicht ein bisschen besser, sondern der Unterschied zwischen brauchbar und austauschbar.

Reine KI ohne Kopf produziert eben genau das, was von allen kommt.

Manchmal heißt Erfahrung, dass man etwas abschaltet

Es gibt eine Funktion, die ich bis heute nicht nutze – und das ist eine bewusste Entscheidung: Erinnerungen. Also die Möglichkeit, dass die KI sich über alle Chats hinweg merkt, was vorher war. In ChatGPT hab ich die übrigens auch nie eingeschaltet.

Bei mir laufen Kundenprojekte parallel. Kunde A, Kunde B, dazu mein eigenes Zeug. Wenn ich Erinnerungen anschalte, vermischt sich das über die Zeit. Impulse, Formulierungen, Argumente aus dem einen Projekt wandern in ein anderes – und ich merke es nicht mal. Das ist nicht in erster Linie ein Datenschutz-Thema, das ist ein Qualitäts-Thema. Trennung von Mandaten gehört zu meinem Beruf.

Nach über drei Jahren mit KI weiß ich also nicht in erster Linie, welche Funktionen ich alle anmachen kann. Ich weiß, welche aus bleiben.

Und damit sind wir bei der Frage, die für mich inzwischen wichtiger ist als jede Formulierungsfrage: Nicht mehr Wie schreibe ich den Prompt? Sondern: Woher weiß ich, dass das Ergebnis stimmt?

Das ist die Stelle, an der es gefährlich wird – und zwar für alle, nicht nur für Anfänger. Denn eine KI hält ihre erste Antwort für fertig. Sie kann ihr eigenes Ergebnis nicht abnehmen. Ohne eine Instanz, die prüft, ist einfach nichts geprüft.

Die ersten achtzig Prozent sind dabei gar nicht das Problem. Bei einem offensichtlich falschen Text sieht man den Fehler sofort. Schwierig sind die letzten zwanzig Prozent, weil es da so gut ist, dass man den Fehler nicht mehr sieht. Der Text liest sich rund. Die Zahl klingt plausibel. Die Quelle sieht aus wie eine Quelle. Wer an der Stelle aufhört, hat das Prüfen an die KI abgegeben.

Prüfen kann heißen, ein zweites Modell drüberlaufen zu lassen. Eine Quelle wirklich anzuklicken. Oder schlicht den eigenen Kopf einzuschalten an der Stelle, wo man sich auskennt. Meine Regel dafür ist ziemlich unromantisch: Sei immer schlauer als Deine KI.

Zurück zu den 21,42 Euro

Wenn ich diese Rechnung von vor genau zwei Jahren heute angucke, sehe ich vor allem, wie wenig ich damals wusste – und wie gut das Ergebnis trotzdem schon war. Zwei Jahre sind es übrigens nur mit Claude. Mit KI insgesamt sind es über drei, und angefangen hat es mit ChatGPT.

Und weil das bisher nirgends steht: KI ist meine große Liebe. Nicht nur das Werkzeug, mit dem ich mein Geld verdiene, sondern das Thema, bei dem ich abends noch weitermache, wenn längst Feierabend wäre. Deshalb hab ich auch nie gekündigt.

Genau darin liegt das Problem für alle, die heute einsteigen. Der Anfang ist leicht geworden. Du tippst drei Sätze und bekommst etwas Brauchbares zurück, in Sekunden. Das ist echter Fortschritt, und ich will das gar nicht kleinreden. Aber wer nie gezwungen war, richtig zu briefen, lernt es eben auch nicht mehr. Und merkt dann Monate später, dass die eigenen Texte klingen wie alle anderen – und hält sich für zu doof dafür.

Das ist kein Können-Problem. Da fehlt einfach eine Schule, die es so nicht mehr gibt.

Die Jahre sind deshalb auch nichts, worauf man stolz sein muss. Sie sind nur der Grund, warum ich Dir die Abkürzung zeigen kann. Du musst nichts aufholen. Du musst an einer Stelle richtig anfangen – und die Stelle heißt Kontext.

Was steckt bei Deinen letzten zwanzig Prozent gerade drin, das Du noch nicht geprüft hast?

Du redest Gold -

Herz aus bunten Post-it-Zetteln auf Betonwand – KI mit Kopf und Herz, Nicole Angela Buck

und postet nichts.

Du weißt, was Du sagen willst. Aber sobald Du tippst, klingt es nach niemandem. Zu glatt. Zu generisch. Zu sehr nach KI, aber nicht nach Dir und Deiner Handschrift:
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Quelle: Meine Erfahrungen und der Dialog mit Claude. Die Bilder sind mit Midjourney und fal.ai generiert.

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Ich bin Nicole

Nicole Angela Buck – KI-Trainerin und Kommunikationsdesignerin in ihrem Atelier, lächelnd in gelbem Blazer

Mit über 25 Jahren Erfahrung als Kommunikations- und Grafik-Designerin und meiner Ausbildung als zertifizierte KI-Trainerin unterstütze ich Dich dabei, Deine Firma optimal online zu präsentieren. Lerne, wie Du durch präzise und intelligente Online-Strategien Deinen Betrieb nicht nur zeigst, sondern eine Geschichte erzählst, die bleibt. Mit Unterstützung einiger wichtiger KI-Tools darf Dein Content-Marketing wirklich Spaß machen!

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