Das Lego-Prinzip, Teil 2:
Die Bauplatte unter Deinem KI-System
von Nicole Angela Buck
Warum Dein eigenes KI-System zuerst eine Bauplatte braucht
Ich hebe eines meiner Lego-Häuser von der Platte. Vorsichtig, mit beiden Händen. Und dann passiert nichts, kein Stein verrutscht, keine Wand kippt, das ganze Haus bleibt ein Haus. Drei Kilo Klemmbausteine, und ich kann sie durch den Raum tragen wie eine Torte.
Die Steine daran sind ganz normale Steine. Was das Haus zusammenhält, ist die Platte darunter, in die jeder einzelne eingerastet ist. Am fertigen Modell sieht man sie fast nicht, und trotzdem entscheidet sie, ob das Ding hält oder beim ersten Anheben in seine Einzelteile zerfällt. Und genau der Teil fehlt fast immer, wenn Du Dir ein eigenes KI-System aufbauen willst.
Das erwartet Dich
Warum liefert KI nicht, was Du willst?
In Teil 1 dieser Serie ging es um die Steine: wiederverwendbare Bausteine, aus denen Du Deinen Content zusammensetzt, Tütchen für Tütchen.
Aber vielleicht bist Du schon einen Schritt weiter – und trotzdem frustriert. Du hast ChatGPT, Du hast Claude, Du hast Prompts ausprobiert, vielleicht sogar richtig gute. Und die Ergebnisse? Mal brauchbar, mal daneben, und fast immer irgendwie austauschbar. Nach dem dritten Anlauf schreibst Du den Text doch wieder selbst und denkst, KI sei einfach nichts für Dich.
Hier kommt der Satz, den ich Dir mitgeben will: Nicht das Tool entscheidet, ob KI nach Dir klingt. Die Platte darunter entscheidet.
Steine ohne Platte kippeln. Prompts ohne Kontext liefern Durchschnitt. Die KI kann gar nicht nach Dir klingen, wenn sie Dich nicht kennt. Sie füllt die Lücken dann mit dem, was sie am besten kann, und das ist der Mittelwert aus allem, was je geschrieben wurde. Deshalb klingen so viele KI-Texte gleich. Die KI ist dabei gar nicht schlecht, ihr hat halt nur niemand gesagt, wer da eigentlich spricht.
Was die Bauplatte für Dein eigenes KI-System ist
Wenn Du Dir ein eigenes KI-System aufbauen willst, ist die Bauplatte Dein Fundament aus Kontext: alles, was ein Tool über Dich wissen muss, bevor es auch nur einen Satz für Dich schreibt. Sauber aufgeschrieben, in einfachen Dateien.
Auf meiner Platte liegt zum Beispiel:
- Wer ich bin und wofür ich stehe. Meine Positionierung, mein Angebot, meine Haltung. Damit die KI weiß, aus welcher Ecke ich spreche.
- Für wen ich schreibe. Meine Zielgruppe, ihre echten Probleme, ihre Sprache. Damit die KI nicht „Ihre Herausforderungen im digitalen Wandel" schwurbelt, sondern den Ton trifft, den meine Leute wirklich sprechen.
- Wie ich klinge. Mein Schreibstil, meine Lieblingswörter, meine No-Gos. Bei mir steht da zum Beispiel drin, welche Füllwörter ich nutze – und welche Phrasen niemals in meinen Texten landen dürfen.
- Wie ich arbeite. Meine Formate, meine Abläufe, meine Standards. Vom Blogartikel-Aufbau bis zur Regel, dass das Du bei mir immer großgeschrieben wird.
Das ist keine Raketentechnik. Das sind Textdateien. Aber sie verändern alles – denn jetzt hat jeder Stein, den ich draufsetze, etwas zum Einrasten.
Die Noppen: warum die Platte jedes Tool trägt
Und jetzt kommt der Teil, der die Platte so wertvoll macht. Die Noppen sind genormt.
Auf eine Lego-Platte passt jeder Stein, egal aus welchem Set, egal aus welchem Jahrzehnt. Meine Steine von früher rasten auf einer neuen Platte genauso ein wie die aus dem Set von letzter Woche.
Mit dem Kontext-Fundament ist es genauso. Dieselben Dateien, die meinen CustomGPT füttern, stecken auch in meinen Claude-Projekten und in meinen Skills. Kommt ein neues Tool auf den Markt, muss ich nicht bei Null anfangen. Ich docke es an die Platte an – und es weiß vom ersten Tag an, wer ich bin, wie ich klinge und für wen ich arbeite.
Wer keine Platte hat, fängt mit jedem neuen Tool wieder von vorne an. Wer eine hat, wechselt das Werkzeug und behält das System. Genau deshalb scheitern übrigens so viele KI-Projekte gar nicht an der Technik, sondern am fehlenden Fundament.
Reden ist nicht bauen
Über diese Bauplatte wird gerade viel gesprochen. In Workshops, in Challenges, auf LinkedIn – plötzlich taucht das Bild überall auf, und das freut mich ehrlich, denn es stimmt ja.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen denen, die über die Platte reden, und denen, die eine haben. Ich habe meine daheim. Wortwörtlich, im Raum nebenan, bebaut mit einer ganzen Stadt. Und im übertragenen Sinn auf meinem Rechner, bebaut mit meinem kompletten Content-System und mit selbst gebauten Tools, die alle auf demselben Fundament stehen.
Diese Platte ist nicht an einem Nachmittag entstanden. Sie ist gewachsen, Datei für Datei, seit ich vor anderthalb Jahren mit den ersten Prompt-Bausteinen angefangen habe. Und ja, es gilt auch hier, was ich Dir in Teil 1 mitgegeben habe: Tütchen für Tütchen. Du brauchst keine perfekte Platte, um anzufangen. Eine einzige Datei, in der drinsteht, wer Du bist und wie Du klingst, trägt schon die ersten Steine.
Was auf der Platte alles möglich wird
Sobald die Platte liegt, verändert sich, was Du bauen kannst.
Dann geht es nämlich nicht mehr nur um den nächsten LinkedIn-Post. Dann baust Du Werkzeuge, die bleiben: eine Assistentin, die Deine Arbeitsweise kennt. Tools, die Dir wiederkehrende Handgriffe abnehmen. Kleine Helfer, die es so nirgends zu kaufen gibt – weil sie exakt für Dich gebaut sind, nach Deinen Anforderungen und nicht nach denen von irgendwem.
Wie das aussieht, wenn man ganz ohne Anleitung baut, mit eigener Stadt, eigenen Häusern und eigenen Tools – das zeige ich Dir in Teil 3 dieser Serie.
Zurück an die Platte
Ich stelle das Haus zurück. Es rastet ein, Noppe für Noppe, und sitzt.
Genau dieses Gefühl wünsche ich Dir für Dein KI-System: dass Du ein neues Tool, einen neuen Text, eine neue Idee draufsetzt – und alles rastet ein, weil das Fundament stimmt. Die Steine hast Du aus Teil 1. Die Platte legst Du jetzt. Eine Datei nach der anderen.
Das Lego-Prinzip ist eine dreiteilige Serie
Teil 1: nach Anleitung bauen, Tütchen für Tütchen.
Teil 2: die Bauplatte, das System darunter (dieser Artikel).
Teil 3: frei bauen, ganz ohne Anleitung.
Du redest Gold -
und postest nichts.
Du weißt, was Du sagen willst. Aber sobald Du tippst, klingt es nach niemandem. Zu glatt. Zu generisch. Zu sehr nach KI, aber nicht nach Dir und Deiner Handschrift:
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Quelle: Meine Erfahrungen und der Dialog mit Claude. Die Bilder sind mit Midjourney und fal.ai generiert.
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