Das Lego-Prinzip, Teil 1:
Modulare Content-Erstellung mit KI
von Nicole Angela Buck
Wie modulare Content-Erstellung mit KI zum System wird
Samstagnachmittag, das Licht fällt schräg auf meine Lego-Platte. Ich setze ein Fenster in ein Häuschen für meine Stadt – und auf einmal ist dieser Moment wieder da. Vor anderthalb Jahren saß ich genau hier, an derselben Platte, und habe zum ersten Mal begriffen, dass modulare Content-Erstellung mit KI und das Bauen mit Klemmbausteinen im Kern dasselbe sind. Damals war das eine Idee. Heute ist es ein System, das steht.
Und weil sich in diesen anderthalb Jahren so viel getan hat, wird aus dem einen Artikel jetzt eine kleine Serie. Dieser erste Teil holt das Update nach. Was damals stimmte, stimmt immer noch. Es ist nur erwachsen geworden.
Das erwartet Dich
Von Prompt-Bausteinen zu Skills: das Update
Kurz zur Einordnung, falls Du neu dazukommst: Das Lego-Prinzip ist meine Methode für modulare Content-Erstellung mit KI. Statt jeden Text bei Null zu beginnen, arbeite ich mit Bausteinen, die ich immer neu kombiniere. So wie Klemmbausteine. Einmal gebaut, immer wieder nutzbar.
Als ich das zum ersten Mal aufgeschrieben habe, ging es um wiederverwendbare Prompt-Bausteine. Ich hatte meine Hook-Module, meine Struktur-Module, meine Tonalitäts-Module – und ich habe sie zu einem Prompt zusammengebaut, so wie man Steine zusammensteckt. Dazu ein Prompt-Journal, in dem ich festgehalten habe, was funktioniert und was nicht.
Das war gut. Aber es war eben noch alles von Hand. Jeden neuen Text habe ich neu zusammengebaut.
Was sich geändert hat:
Bausteine, die wissen, wo sie hingehören
Aus meinen Bausteinen sind Skills geworden. Ein Skill in Claude ist im Grunde ein Baustein, der nicht mehr nur in meinem Kopf und in meinem Journal liegt, sondern in einer Datei, die die KI bei Bedarf selbst zieht. Ich muss meinen Stil, mein Format, meine Regeln nicht mehr jedes Mal neu erklären. Ich habe es einmal aufgeschrieben und seitdem arbeitet es für mich. Ab und an wurde angepasst.
Skills heißen übrigens wirklich so. Das ist inzwischen ein offizielles Feature, das man anlegen und benennen kann, und keine Bastelei von mir. Als ich meine Bausteine angefangen hab in Dateien zu schreiben, gab es den Begriff noch gar nicht. Das ist jetzt kein Verdienst von mir, das Prinzip liegt eben nahe, wenn man oft genug dasselbe erklärt. Aber es zeigt, dass die Richtung gestimmt hat.
Aus dem Prompt-Journal ist so nach und nach eine ganze Bibliothek geworden. Gleiches Prinzip wie damals, nur dass die Steine jetzt wissen, wo sie hingehören.
Damit das nicht so abstrakt bleibt, hier einer meiner Bausteine von innen. Der für meine Schreibstimme fängt ungefähr so an: Keine Gedankenstriche, Bindewörter erledigen den Job. Erst der Mensch, dann die Erkenntnis, kein Text startet mit einer These. Wenn ein Satz klingt wie ein Spruch, der auf eine Tasse passt, ist er falsch.
Mehr ist das nicht. Sätze, die ich sonst bei jedem Text neu erklären müsste, einmal aufgeschrieben. Inzwischen ist der Baustein ein paar Seiten lang, angefangen hat er mit etwa diesen drei Zeilen.
Tütchen für Tütchen:
Der einzige Trick, den Du am Anfang brauchst
Wenn ich ein großes Lego-Set aufmache, liegen da nicht 3.000 Steine oder mehr auf einem Haufen. Sie kommen in nummerierten Tütchen. Ich baue Tütchen eins, dann Tütchen zwei, dann drei. Ein Schritt nach dem anderen. Niemand kippt alles auf den Tisch und sagt „viel Erfolg".
Genau da hängen die meisten beim Thema KI. Meistens nicht, weil sie zu wenig können, sondern weil alles auf einmal auf dem Tisch liegt. Tool hier, Prompt da, „das musst Du auch noch" und irgendwann steht man vor diesem Berg und macht lieber gar nichts.
Der Trick ist derselbe wie beim legobauen: nicht alles auf einmal. Ein Tütchen. Der erste Baustein, den Du wirklich oft brauchst. Deine Tonalität für Kundenmails zum Beispiel oder der Aufbau Deiner Angebote. Eins, das sitzt. Dann das nächste.
Das ist unspektakulär, ich weiß. Aber es ist der Unterschied zwischen „ich fange nächste Woche an" und „ich hab tatsächlich was in der Hand".
Der eine Satz, den Du Dir merken solltest
Wenn Du Dir nur einen Satz aus diesem Artikel merkst, dann diesen:
Du brauchst am Anfang kein KI-System. Du brauchst einen ersten Baustein, den Du wirklich oft benutzt. Das System entsteht danach von selbst.
Schritt für Schritt ist bei mir kein Spruch. Das ist die Bauanleitung.
Und fang mit einem Tool an. Claude, ChatGPT oder Gemini. Such Dir eins aus. In meiner Stadt steht kein einziges Playmobil-Männchen, weil es auf keine Platte passt. Bei den KI-Tools ist es dasselbe, was Du Dir im einen aufbaust, klemmt im anderen nicht. Ich hab inzwischen mehrere offen, aber das kam später.
Warum ich das überhaupt erzähle und was dahintersteckt
Ich baue nicht seit gestern. Seit 1998 bin ich Kommunikations- und Grafik-Designerin, und ich setze KI seit Jahren jeden Tag in meiner eigenen Agentur ein. Nicht in der Theorie, sondern an echten Kundenprojekten. Was ich hier weitergebe, habe ich vorher selbst gebaut. Der Facebook-Post für die Metzgerei, ein Auftrag, den ich seit Jahren mache, hat mich früher zwei Stunden gekostet. Heute sind es 17 Minuten plus Kaffee. Ich tippe nicht schneller als vorher, der Baustein wurde einmal geschrieben und macht seitdem die Arbeit.
Und ein Teil davon steht inzwischen sogar gedruckt in einem Buch. Mein Kapitel über genau dieses modulare Denken ist in „KI Zukunft Erfolg" vom Koerting Institute erschienen, in dem 53 Leute ihre besten Strategien teilen. Der Gedanke, der an meiner Lego-Platte entstanden ist, hat es also von der Platte über den Blog bis zwischen zwei Buchdeckel geschafft. Lego-Prinzip in Reinform, könnte man sagen: einmal gebaut und immer wieder neu zusammengesetzt.
Über modulares Bauen und Bausteine reden inzwischen viele. Was seltener jemand hat, ist die Platte darunter, auf der das alles zusammenhält. Und die Erfahrung, sie wirklich zu bebauen. Wie aus den einzelnen Steinen ein System wird, das trägt, und warum die Grundplatte am Ende wichtiger ist als der einzelne Stein, das nehme ich mir in Teil 2 vor.
Fazit:
Zurück an die Platte
Ich setze das letzte Fenster in mein Häuschen. Dieselbe Platte, dieselbe Ruhe wie vor anderthalb Jahren. Es hat sich nichts und doch so viel geändert. Hinter dem Bild aus bunten Steinen steckt heute ein echtes Arbeitssystem.
Wenn Du gerade vor Deinem eigenen Berg stehst und nicht weißt, wo Du anfangen sollst: fang klein an. Ein Tütchen. Ein Baustein, der bei Dir immer wieder gebraucht wird. Der Rest kommt, wie beim Lego, Schritt für Schritt.
Das Lego-Prinzip ist eine dreiteilige Serie
Teil 1: nach Anleitung bauen (dieser Artikel).
Teil 2: die Bauplatte, das System darunter.
Teil 3: frei bauen, ganz ohne Anleitung.
Du redest Gold -
und postest nichts.
Du weißt, was Du sagen willst. Aber sobald Du tippst, klingt es nach niemandem. Zu glatt. Zu generisch. Zu sehr nach KI, aber nicht nach Dir und Deiner Handschrift:
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Quelle: Meine Erfahrungen und der Dialog mit Claude. Die Bilder sind mit Midjourney und fal.ai generiert.
